Mit seinem Café St. Oberholz schuf Ansgar Oberholz vor über 10 Jahren den Hotspot der Berliner Macbook-Bohème. Angelockt vom freien WLAN, dem ausgzeichneten Kaffee und der gemütlichen Atmosphäre quartieren sich jeden Tag Designer, Autoren und andere Kreative in dem Café und Coworking Space ein. Dabei ereignete sich schon so manches Gründungsmärchen. Zu den berühmten Gästen des St Oberholz zählen unter anderem Alexander Ljung und Eric Wahlforss, die von dort den Durchbruch ihrer Musikplattform Soundcloud starteten. Wir freuen uns sehr, dass wir Ansgar als Vertreter für die innovative und digitale Gastronomie als Jurymitglied des Gastro-Gründerpreises 2016 gewinnen konnten. Im Interview erklärt der querdenkende Gastronom und Buchautor, wie er einst einen Hausgeist aus dem Keller des St. Oberholz vertrieb und warum er fest an eine Verbindung aus Kita, Coworking Space und Gastronomie glaubt.

Ansgar, in Deinem Buch “Für hier oder zum Mitnehmen” verarbeitest Du viele skurrile Erfahrungen aus der Anfangsphase Deines Kultcafés St. Oberholz. Auch kleine Katastrophen wie Rohrbrüche, hohe Rechnungen und Co. verpackst Du dort zu lustigen Geschichten.

Welche Situation hat Dich in Deiner Gastronomievergangenheit so richtig ins Schwitzen gebracht? Und wie konntest Du Dich daraus retten?

Einige meiner Mitarbeiter glaubten fest an einen Hausgeist im Keller des St. Oberholz. Ich nahm das Thema nicht ernst und damit auch nicht als Problem wahr. Dies führte zu einigen turbulenten Szenen, unter anderem der Weigerung alleine im Keller zu arbeiten. Der Hausgeist trieb meine Lohnkosten nach oben! Ich ließ von einem Medium den Geist austreiben, damit war das Problem gelöst. Ich war davon überzeugt, dass nicht der Geist, sondern die Hirngespinste meiner Mitarbeiter ausgetrieben worden waren. Einige Tage später erzählte mir allerdings ein alter Mann, der als Küchenjunge im Aschinger gearbeitet hatte, dass in den dreißiger Jahren eine Putzfrau im Keller auf mysteriöse Art gestorben und Tage später erst gefunden worden sei. Er war davon überzeugt, dass ihr Geist noch immer im Keller weiterlebte. Ab diesem Tag wollte ich auch bis auf weiteres nicht mehr alleine im Keller arbeiten.

Wenn Du heute ein neues Gastronomiekonzept umsetzen könntest, wie sähe es aus?

Auf einer großzügigen Fläche mehrere verstreute gastronomische Einheiten die sich mit Coworking, Eventflächen und einer Kita verschmelzen. Mittags sitzen die Kinder mit den Coworkern gemeinsam an langen Tafeln, abends gleitet das Ganze in eine Baratmosphäre über, vermutlich ohne die Kinder. Die Gäste können mühelos zwischen den einzelnen Nutzungsarten oszillieren.

Welche Eigenschaften sollte ein Gastro-Gründer unbedingt mitbringen und wie können Dich die Kandidaten beim Gastro-Gründerpreis besonders beeindrucken?

Es ist wichtig kreative Ideen hoch professionell umzusetzen. Fehler und Ungenauigkeiten verzeihen der Markt und die Gäste immer weniger. Ohne Hilfe von Buchaltung und Marketing, bzw. sehr guter Vernetzung funktioniert Gastronomie nicht mehr. Man muss seine KPIs, die Zahlen kennen und verstehen und den Mut haben Dinge zu verändern.

Mich beeindrucken Gründer, die neben allem Ideenreichtum die Exceltabelle nicht vergessen. Die ihre Kreativität nicht nur im Speisen- sondern auch im Kostenkonzept ausleben.

Mit dem St. Oberholz warst Du einer der Vorreiter und hast schon früh freies WLAN für Deine Gäste angeboten. Wieso war Dir dieser digitale Aspekt damals so wichtig? Und wie regt Ihr Eure Kunden beim Surfen auch zum Konsumieren an?

Vor 11 Jahren eröffneten wir das St. Oberholz mit der Idee ein urbanes, zeitgemäßes Konzept umzusetzen. Wir dachten, dass die Möglichkeit im Café zu arbeiten ein netter wichtiger Nebeneffekt dafür sei. Dass wir ein solch großes Potential anzapften, überraschte uns selber. Nach einigen Überraschungsmomenten folgten wir den Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Community und wuchsen so mit Coworking Space und Apartments in das alte Gebäude hinein und betreiben heute drei Standorte in Berlin.

Die Kunden zum Konsumieren anzuregen wird immer herausfordernder. Vor allem im Stammhaus am Rosenthaler Platz ist im Moment das Obergeschoss unser Sorgenkind, hier stimmt an manchen Tagen der Umsatz nicht. Nette Tischaufsteller bewirken nicht viel. Wir arbeiten gerade an neuen Mischformen von Café und Coworking, die für die Gäste einen angenehmen Mehrwert erzeugen, den Umsatz wirtschaftlicher gestalten und hoffentlich wieder erfolgreich Standards setzen werden. Details kann ich an dieser Stelle noch nicht verraten.

Was sind Deiner Meinung nach die Technologien, die die Gastronomie in der Zukunft am meisten prägen werden?

Im Take-Away Segment werden pre-order Technologien alles verändern, so wie Shoreditch Grind das mit ihrer App in London gerade als Vorreiter umsetzen. In eine ähnliche Richtung stoßen foodora & Co. Man wird als Gastronom auf kurz oder lang nicht umhin kommen, unabhängige Lieferdienste zu nutzen und mehr in skalierbaren Produkten zu denken, die auch außerhalb des eigenen Ladens funktionieren.

Andererseits wird genau dieser vermehrte Einsatz von Technologien zum Optimieren von Workflows den Gegenpol stärken: Ganz einfache handfeste Konzepte, ohne jede technische Optimierung werden dadurch betont und setzen sich ab. Dieser Trend ist schon jetzt unübersehbar.

Worauf legst Du bei einem Gastronomiebesuch besonders wert?

Ich freue mich immer dann, wenn ich mich ärgere. Nicht über negatives, sondern über neue Ideen, auch Kleinigkeiten, auf die ich selber nicht gekommen bin. Wie z.B. der alte Plattenspieler im „Nobelhart & Schmutzig“, der von jedem in der Küche und hinter dem Tresen der gerade Lust hat, bedient wird und noch nicht einmal ein Mischpult besitzt, die Platten laufen immer am Stück durch. Es ärgert mich maßlos, dass ich nicht selber darauf kam und freue mich für die Kollegen über diese geniale Idee!

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Ansgar Oberholz trefft Ihr hier:

St Oberholz
Rosenthaler Str. 72A
10119 Berlin
U Bahnhof Rosenthaler Platz
www.sanktoberholz.de

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