Aller Anfang ist schwer. Cynthia Barcomi entschied 1994 amerikanische Backwaren in einem kleinen Café für deutsche Gebäckliebhaber anzubieten. Mittlerweile ist sie als Größe der Gastro-Szene über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Als Jury-Mitglied des GGP 2017 gibt sie uns Einsichten, was sie auf ihrer Reise gelernt und erlebt hat:

 

Was braucht es, um etwas ganz Eigenes zu schaffen?

Man braucht eine Vision und ganz viel Durchhaltevermögen! Man darf sich nicht ablenken lassen und man muss ALLES geben. Oft heißt es, erfinderisch sein zu müssen, denn es kommt manchmal anders, als man denkt oder planen kann. Es ist ein Abenteuer – das macht es aber auch so spannend!

 

Du hast 1994 dein erstes Café eröffnet – Brownies, Cheesecake und Bagels waren zu dieser Zeit in Berlin noch echte Raritäten. Wie funktioniert der Schritt von einer leidenschaftlichen Idee zur gewinnbringenden Selbstständigkeit?

Man muss eine Vision haben und darf sich nicht abhalten lassen. Ich war zuerst schockiert, dass Gebäck, das für mich bekannt und fast banal war (Bagels, Cookies, Brownies etc.), für mein deutsches Publikum exotisch daherkam! Ich habe ganz bewusst dann die Rolle einer Pionierin angenommen, um dem Markt und dem Publikum was beizubringen und dabei keine Kompromisse einzugehen, was meine Ideen anging.

 

Wie hat sich Deiner Meinung nach die Gastronomie-Szene seitdem verändert? Ist Gründen heute einfacher geworden?

Endlich interessiert sich das Publikum für besseres, innovatives Essen, weil es jetzt mehr Vielfalt gibt. Die Vielfalt stimuliert das Publikum, neue Sachen zu probieren und davon begeistert zu sein! Ich kann nicht sagen, ob das Gründen einfacher geworden ist. Ich glaube, es ist immer eine Herausforderung – doch gibt es vielleicht einige Personen, von denen man lernen und von dessen Fehlern aber auch Erfolgen man sich etwas abschauen kann.

„Ich habe weder alles allein gemacht, noch alles über Nacht umgesetzt.“

Woran denkst Du, liegt es, dass sich heutzutage sehr viel mehr Menschen trauen, sich in der Gastronomiebranche selbstständig zu machen?

Ich denke, dass gute Arbeit für alle Leute interessant ist und sie inspiriert. Ich werde von vielen Sachen inspiriert und bin mir sicher, dass ich wiederum auch viele Leute inspirieren konnte – das ist ein schönes Gefühl.

 

Du bist eine gastronomische Autodidaktin und hast Dich als gestandene Gastronomin etabliert. Was kannst Du angehenden Gastro-Gründern als Jury-Mitglied des Gastro-Gründerpreises mit auf den Weg geben?

Man muss sich immer treu bleiben. Wenn man Glück hat und sehr hart arbeitet, kann man wachsen. Selbstkritisch und immer konstruktiv mit sich selbst umzugehen, ist eine sehr wichtige Fähigkeit, die man sich aneignen sollte. Man muss nicht allen Leuten gefallen oder alle ansprechen, mit dem was man tut, aber einen Dialog aufzubauen, ist das A und O.

 

Der Trend geht zu bewusstem Essen. Spiegelt sich diese Tendenz zu gesunden Foodtrends in Deiner Zutatenauswahl wider?

Es kommt darauf an, für wen ich etwas kreiere. Wenn ich ein neues Rezept entwickel, mag ich es sehr gern neue Zutaten zu nehmen, so lange ich das Gefühl habe, dass man die Zutaten überall bekommen kann und vor allem, dass es lecker ist!

„Wenn man Glück hat und sehr hart arbeitet, kann man wachsen.“

Inzwischen bist Du weit mehr als Gastronomin: Autorin, TV-Star und Unternehmerin mit einer eigenen Küchenlinie. Warum hast Du Dich zu so vielen Unternehmenszweigen entschlossen? Und was wird noch kommen?

Ich glaube an das Ziel hinter dem Ziel und auch daran, dass ich viel Potenzial habe. Bei mir fing es mit einer Kaffeerösterei an: dann habe ich ein Deli eröffnet, dann Bücher geschrieben, dann Backformen entwickelt. Ich habe weder alles allein gemacht, noch alles über Nacht umgesetzt. Es ist ein Prozess und am Ende macht jeder einzelne Punkt Sinn für mich. Jeder Bereich ergänzt den anderen – das bereichert nicht nur meine Arbeit, sondern es macht mich auch stolz zu sehen, wie sich alles entwickelt.

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