Die Gastronomie wäre in Deutschland ohne Trinkgeld nicht vorstellbar. Schon im späten Mittelalter war es in den verschiedensten Branchen üblich, Trinkgeld zu entrichten. Ursprünglich wünschte sich der Trinkgeldgeber, man möge das Geld auf sein Wohl vertrinken. Noch heute ist das Trinkgeld in vielen Branchen üblich, aber wohl mit wenigen Berufszweigen so stark verknüpft wie mit dem Gastgewerbe.

In Deutschland gilt ein Satz von 10% des Gesamtbetrages als Richtlinie für den Trinkgeldgeber. Das kann schnell zu einem ansehnlichen Betrag werden, der das oftmals schmale Grundgehalt von Servicekräften und Barkeepern merklich verbessert.

In vielen Gastro-Betrieben ist allerdings der korrekte Umgang mit Trinkgeld nicht geregelt. Wie sieht die rechtliche Lage aus? Muss ich als Servicekraft mein Trinkgeld abgeben? Wird das Trinkgeld auf den Mindestlohn angerechnet? Auch für den Gastronomen stellt sich die Frage: Wie organisiere ich eine gerechte Verteilung der Trinkgelder? Wir sind diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Trinkgeld: rechtliche Grundlagen

Die Gewerbeordnung (GewO) regelt in §107 Abs.3 seit 2005 die sogenannte Legaldefinition von Trinkgeld. Dort heißt es: “Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt.” Dort wird auch ausdrücklich verboten, dass Arbeitnehmer nur für das Trinkgeld arbeiten, auch die Anrechnung der Trinkgelder auf den Lohn ist untersagt.

Ein Trinkgeld kann als sogenannte renumeratorische Schenkung angesehen werden. Zu Grunde liegt folgende Annahme: Ein Gast bekommt sein Essen, reklamiert nicht und bezahlt. Damit kommt von beiden Seiten ein Kaufvertrag zustande. Ist der Gast, also der Trinkgeldgeber, so zufrieden, dass er ein Trinkgeld hinterlässt, so hat dieses Geld keinen Bezug mehr zum Kaufvertrag. So sind Trinkgelder aus Sicht der Servicekraft, dem Trinkgeldempfänger, keine zusätzliche Entlohnung für die Vertragserfüllung, sondern eben eine Schenkung aus Dankbarkeit. Ein weiterer interessanter Fakt: Da das Trinkgeld aus einer persönlichen Beziehung zwischen Gast und Servicekraft resultiert, muss es auch nicht an den Betriebsinhaber ausgeliefert werden. Für Dich als Gastronom heißt das: Du kannst von Deinem Servicepersonal nicht verlangen, das Trinkgeld an Dich abzugeben, um es beispielsweise mit dem Küchenpersonal zu teilen.

Spannend wird es auch beim Thema Steuern: Muss ich als Kellner oder Barkeeper Steuern auf mein Trinkgeld zahlen? Der Clou: In der Regel ist das Trinkgeld für Arbeitnehmer steuerfrei. Erhältst Du als Inhaber Deiner Gastronomie hingegen Trinkgeld, kannst Du nicht von der Steuerfreiheit profitieren, da Deine Einnahmen als Betriebseinnahmen zählen und daher versteuert werden müssen.

Trinkgeld aufteilen

Die Aufteilung der Trinkgelder unter Deinem Personal ist so etwas wie die Frage nach dem Huhn oder dem Ei. Hier sind die drei beliebtesten Varianten:

  1. Das Trinkgeld geht zu gleichen Teilen an das Team: Trinkgeld entsteht aus der persönlichen Beziehung zwischen Gast und Kellner. Alle Mitarbeiter, die aber nicht im persönlichen Kontakt mit dem Gast stehen und natürlich trotzdem zum positiven Erlebnis beitragen, gehen leer aus. Das empfinden viele Gastronomen als ungerecht und regeln die gerechte Aufteilung der Trinkgelder pro Schicht, pro Tag oder pro Woche in den jeweiligen Arbeitsverträgen. So profitieren auch für den Gast “unsichtbare” Teammitglieder.
  2. Die Trinkgeld-Formel: Trinkgeldempfänger, also Kellner, die kassieren, geben einen Prozentsatz ihres Trinkgeldes ab. Meist handelt es sich hierbei um 10%, die zum Beispiel an Runner oder das Küchenpersonal gehen. Den Rest behält die Servicekraft für sich. Auch diese Regelung ist rechtlich zulässig, wenn es entsprechend in den Arbeitsverträgen geregelt ist.
  3. Das Trinkgeld gehört dem Kellner: Bei dieser Variante behält der Kellner alle Einnahmen durch Trinkgeld für sich selbst. Soweit im Arbeitsvertrag nicht anders geregelt, verpflichtet nichts zur Abgabe der Trinkgelder. Zumal argumentiert werden könnte, dass Teammitglieder, die kein Trinkgeld bekommen, über einen angemessenen Arbeitslohn verfügen.

Wie Du die Sache mit dem Trinkgeld in Deiner Gastronomie regelst, bleibt ganz Dir überlassen. Sorge aber für klare Verhältnisse und entsprechende Arbeitsverträge, damit Dein Servicepersonal darauf vorbereitet ist und Du rechtlich abgesichert bist.

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