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Eine Person bedient ein Zahlungsterminal mit Touchscreen auf einer Theke und schließt gerade eine Transaktion über 18,24 € plus Trinkgeld ab.

Muss Trinkgeld versteuert werden? Das gilt für Servicekräfte und Inhaber

Muss Trinkgeld versteuert werden? Für Deine Servicekräfte in aller Regel nicht: Freiwilliges Trinkgeld vom Gast ist für Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei, ohne Obergrenze und egal ob bar oder per Karte. Für Dich als Inhaber sieht es anders aus: Trinkgeld, das Du selbst bekommst, ist eine Betriebseinnahme und wird voll versteuert.

In Deutschland liegt das übliche Trinkgeld zwischen 5 und 10 Prozent der Rechnung. Für viele Servicekräfte ist es ein fester Teil des Einkommens. Trotzdem tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: Was gilt bei einer gemeinsamen Trinkgeldkasse? Ändert sich etwas, wenn der Gast per Karte zahlt? Und wie buchst Du Trinkgeld korrekt? Hier bekommst Du die Antworten, kompakt und praxisnah.

Das Wichtigste im Überblick

  • Freiwilliges Trinkgeld an Mitarbeiter ist steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 51 EStG), ohne Obergrenze. Es zählt auch nicht zum Verdienst im Minijob

  • Ein fest vereinbarter Bedienungszuschlag ist kein Trinkgeld, sondern steuerpflichtiger Arbeitslohn

  • Eine gemeinsame Trinkgeldkasse bleibt steuerfrei, auch wenn Du als Arbeitgeber das Geld verwahrst und verteilst

  • Trinkgeld per Karte, App oder QR-Code ist genauso steuerfrei wie Bargeld. Für Deinen Betrieb ist es ein durchlaufender Posten und muss getrennt vom Umsatz erfasst werden

  • Trinkgeld gehört Deinen Mitarbeitern und darf nicht auf den Mindestlohn angerechnet werden

  • Als Inhaber versteuerst Du Trinkgeld als Betriebseinnahme, mit 7% (Speisen) oder 19% (Getränke) Umsatzsteuer. Das gilt auch für Deinen Anteil aus der Trinkgeldkasse

  • Saubere Dokumentation im Kassensystem und im Kassenbuch schützt Dich bei Kassennachschau und Betriebsprüfung vor Schätzungen

Kurz und knapp: Muss Trinkgeld versteuert werden?

Wer bekommt das Trinkgeld?

Steuerpflichtig?

Warum?

Servicekraft bzw. Arbeitnehmer

Nein

Steuer- und SV-frei nach § 3 Nr. 51 EStG, wenn freiwillig vom Gast gegeben (auch per Karte oder über die Trinkgeldkasse)

Servicekraft bei festem Bedienungszuschlag

Ja

Der Gast muss zahlen, damit ist es regulärer Arbeitslohn

Arbeitnehmer bei sehr hohen Geldgeschenken

Ja

Beträge weit über dem Üblichen gelten nicht mehr als Trinkgeld

Inhaber bzw. Selbstständiger

Ja

Betriebseinnahme: Einkommenssteuer und Umsatzsteuer fallen an

Inhaber mit Anteil aus der Trinkgeldkasse

Ja, sein Anteil

Die Steuerfreiheit gilt nur für Arbeitnehmer

Trinkgeld und Steuern: die rechtlichen Grundlagen

Was Trinkgeld überhaupt ist, regelt § 107 Abs. 3 der Gewerbeordnung (GewO). Sinngemäß heißt es dort: Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer Leistung zahlt, die dem Arbeitgeber geschuldet wird. Außerdem legt das Gesetz fest, dass ein regelmäßiges Arbeitsentgelt nicht deshalb ausgeschlossen werden darf, weil ein Mitarbeiter Trinkgeld bekommt. Ein Lohn nur aus Trinkgeld ist also unzulässig.

Ob Trinkgeld versteuert werden muss, regelt § 3 Nr. 51 EStG: Freiwillige Trinkgelder an Arbeitnehmer sind dort ohne Betragsgrenze steuerfrei. Den früheren Freibetrag von 1.224 € im Jahr gibt es seit 2002 nicht mehr.

Wichtig für Dich als Arbeitgeber: Trinkgeld entsteht aus der Beziehung zwischen Gast und Servicekraft und gehört deshalb dem Mitarbeiter. Du kannst nicht verlangen, dass Dein Team Dir das Trinkgeld abgibt.

Darf Trinkgeld auf den Mindestlohn angerechnet werden?

Nein. Trinkgeld ist kein Arbeitslohn und darf nicht auf den Mindestlohn angerechnet werden. Dein Servicepersonal hat Anspruch auf den vollen gesetzlichen Mindestlohn, egal wie viel Trinkgeld zusätzlich reinkommt. Wer das anders handhabt, verstößt gegen das Mindestlohngesetz.

Wann ist das Trinkgeld für Mitarbeiter steuerfrei?

Das Trinkgeld Deiner Mitarbeiter ist steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

  • Freiwilligkeit: Der Gast zahlt aus eigenem Antrieb, ohne Rechtsanspruch oder vertragliche Verpflichtung

  • Persönlicher Bezug: Das Geld geht direkt vom Gast an den Mitarbeiter oder wird treuhänderisch für ihn verwahrt, etwa in einer gemeinsamen Trinkgeldkasse

  • Keine feste Vereinbarung: Die Höhe ist vorher nicht abgesprochen oder vertraglich festgelegt

Sind diese Bedingungen erfüllt, musst Du das Trinkgeld weder in der Lohnabrechnung noch in der Sozialversicherung angeben, egal wie hoch es ist. Das gilt für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung gleichermaßen – weder für den Mitarbeiter noch für Dich als Arbeitgeber.

Muss Trinkgeld in die Steuererklärung?

Nein. Steuerfreies Trinkgeld gibt Deine Servicekraft in ihrer Einkommensteuererklärung nicht an. Auch Du als Arbeitgeber musst es nirgends melden.

Trinkfeld im Minijob

Nein. Steuerfreies Trinkgeld gibt Deine Servicekraft in ihrer Einkommensteuererklärung nicht an. Auch Du als Arbeitgeber musst es nirgends melden.

Wann wird Trinkgeld steuerpflichtig?

Sobald der Gast zahlen muss, ist es kein steuerfreies Trinkgeld mehr. Ein typisches Beispiel: Du weist auf der Speisekarte einen Bedienungszuschlag von 10% aus. Dieser Betrag ist für den Gast nicht freiwillig. Für Dich ist er Teil Deines Umsatzes und was Du davon an Dein Team weitergibst, ist regulärer Arbeitslohn. Er muss in der Lohnabrechnung versteuert und verbeitragt werden.

Bei Unsicherheiten in der Lohnabrechnung hilft Dir Deine Steuerberatung oder ein Lohnsteuerhilfeverein.

Ein mit Münzen und Banknoten gefülltes Trinkgeldglas mit der Aufschrift „Trinkgeld“ steht auf einer Holztheke in einem Café.

Gemeinsame Trinkgeldkasse: Bleibt der Pool steuerfrei?

Ja. Ein Trinkgeldpool, aus dem am Ende der Schicht oder des Monats auch das Küchenteam seinen Anteil bekommt, ändert nichts an der Steuerfreiheit – solange das Geld freiwillig von den Gästen stammt.

Das hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 18.06.2015 (Az. VI R 37/14) bestätigt. Im Fall ging es um Saalassistenten einer Spielbank, die Gästen Speisen und Getränke servierten. Ihr Trinkgeld wurde gesammelt und vom Arbeitgeber nach einem Punktesystem verteilt. Der BFH entschied: Die Steuerfreiheit entfällt nicht dadurch, dass der Arbeitgeber das Geld als eine Art Treuhänder verwahrt und verteilt. Entscheidend ist, dass es von den Gästen kommt und nicht vom Arbeitgeber selbst.

Darfst Du als Chef das Trinkgeld verteilen?

Ob und wie Trinkgeld im Team geteilt wird, kannst Du als Chef nicht einfach anordnen. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat 2010 klargestellt: Trinkgeld, das ein Gast einer Servicekraft persönlich gibt, gehört ihr. Du darfst es weder einbehalten noch per Weisung in eine Gemeinschaftskasse umleiten. Auch nicht, um die Küche zu beteiligen.

Eine Trinkgeldkasse ist trotzdem möglich, wenn Ihr sie gemeinsam vereinbart. Legt fest, welches Trinkgeld hineinkommt, zum Beispiel aus der Box am Tresen oder per Karte, wer beteiligt ist und nach welchem Schlüssel verteilt wird. Haltet das am besten schriftlich fest. Verwahrst Du die Kasse, musst Du das Geld vollständig auszahlen und Dein Team darf jederzeit wissen, wie viel drin ist.

Die Ausnahme: der Tronc in Spielbanken

Anders ist es beim klassischen Tronc in Spielbanken. Dort werfen Gäste Jetons in einen Behälter, das Geld geht an die Spielbank und die zahlt es per Tarifvertrag an ihre Beschäftigten aus. Es fehlt die persönliche Beziehung zwischen Gast und Mitarbeiter und das Geld kommt rechtlich vom Arbeitgeber. Deshalb sind Tronc-Gelder steuerpflichtiger Arbeitslohn. Für eine Trinkgeldkasse in Restaurant, Café oder Bar gilt das nicht.

Muss das Trinkgeld als Inhaber versteuert werden?

Ja, denn als Unternehmer gelten andere Regeln. Die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 51 EStG gilt ausschließlich für Arbeitnehmer – nicht für Dich als Inhaber. Das bedeutet:

  • Trinkgeld, das Du selbst erhältst, ist eine Betriebseinnahme

  • Es unterliegt der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer

  • Einen Freibetrag gibt es für Selbstständige nicht, jeder Euro zählt

Das gilt auch, wenn Du selbst mit im Service stehst und einen Anteil aus der gemeinsamen Trinkgeldkasse bekommst. Dein Anteil ist Betriebseinnahme, die Anteile Deiner Mitarbeiter bleiben steuerfrei.

Welcher Steuersatz gilt für Trinkgeld bei Selbstständigen?

Einen eigenen „Trinkgeld-Steuersatz“ gibt es nicht. Das Trinkgeld behandelt wie die Leistung, für die es gegeben wurde: Für Speisen im Restaurant gilt seit 2026 dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuer von 7%, für Getränke 19%. Einkommensteuerlich fließt das Trinkgeld in Deinen Gewinn ein und wird mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert.

Bei einer gemischten Rechnung teilst Du das Trinkgeld in der Regel im Verhältnis von Speisen und Getränken auf. Wie Du das in Deiner Kasse einstellst, klärst Du am besten einmal mit Deiner Steuerberatung.

Trinkgeld buchen: So machst Du es richtig

Trinkgeld für Dich als Inhaber

Trinkgeld für Deine Mitarbeiter

Steuerlich

Betriebseinnahme mit dem Steuersatz der Leistung (7 % oder 19 %)

Steuerfrei, kein Umsatz

Buchung

Als Erlös in der Kasse erfassen, sofort oder gesammelt am Schichtende

Getrennt vom Umsatz erfassen und an das Team weitergeben

Kassenbuch

Bar erhaltenes Trinkgeld als Bareinnahme

Bar ausgezahltes Kartentrinkgeld als Entnahme

Nachweis

Z-Bericht am Tagesende

Auszahlungsliste mit Datum, Betrag und Unterschrift der Mitarbeiter

Bar erhaltenes Trinkgeld, das direkt in die Tasche der Servicekraft wandert, musst Du nicht über die Kasse buchen. Landet es dagegen in Deiner Kasse oder auf Deinem Konto, muss es nachvollziehbar erfasst und ausgezahlt werden.

Muss Trinkgeld per Karte versteuert werden?

Kartenzahlung ist in der Gastronomie längst Standard und damit auch das Trinkgeld per Karte. Immer mehr Gäste zahlen kontaktlos und geben ihr Trinkgeld direkt am Terminal. Ändert sich dadurch etwas an der Steuerfreiheit?

Für Deine Mitarbeiter nicht. Die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 51 EStG gilt unabhängig davon, ob der Gast bar, per Karte, per App oder per QR-Code zahlt. Entscheidend bleibt, dass das Trinkgeld freiwillig gegeben wird und für das Team bestimmt ist.

Praktisch ändert sich trotzdem etwas: Trinkgeld per Karte landet zunächst auf Deinem Geschäftskonto. Für Deinen Betrieb ist es ein durchlaufender Posten. Also Geld, das Du nur für Dein Team entgegennimmst und weiterleitest. Es ist kein Umsatz und wird nicht versteuert. Wichtig ist nur, dass Du es getrennt vom Umsatz erfasst und zeitnah und vollständig an Dein Team weitergibst. Entweder bar am Schichtende oder mit der Lohnabrechnung als separater, steuerfreier Posten.

Kartentrinkgeld bar auszahlen: So trägst Du es ins Kassenbuch ein

Zahlst Du das Kartentrinkgeld am Schichtende bar aus der Kasse aus, verlässt Bargeld die Kasse, ohne dass ein Umsatz dahinter steht. Diese Auszahlung trägst Du im Kassenbuch als Entnahme ein und notierst im Kommentar: Kartentrinkgeld, Rechnungsnummer und an wen Du ausgezahlt hast. So passt Dein Kassensturz am Abend und der Weg vom Konto bis zur Auszahlung an Dein Team ist lückenlos belegt.

Eine lächelnde Barista nimmt an der Theke eines Cafés eine Kreditkartenzahlung von einer Kundin entgegen.

Was prüft das Finanzamt beim Trinkgeld?

Bei einer Kassennachschau oder Betriebsprüfung schauen Prüfer gezielt darauf, ob Trinkgelder vollständig und plausibel erfasst sind. Typische Fragen: Wurde das Trinkgeld des Inhabers versteuert? Wurde Kartentrinkgeld vollständig an das Team ausgezahlt? Passen Kassenbestand und Kassenbuch zusammen? Fehlen Aufzeichnungen oder wirken sie unplausibel, darf das Finanzamt Deine Einnahmen schätzen und das fällt selten zu Deinen Gunsten aus.

Mit orderbird PRO wird Trinkgeld (auch per Karte direkt am Terminal) getrennt vom Umsatz gebucht und erscheint automatisch im Z-Bericht. Auszahlungen an Dein Team erfasst Du im digitalen Kassenbuch, das direkt in die Kasse integriert ist.

Checkliste: Trinkgeld im Betrieb richtig handhaben

Als Arbeitgeber

  • Trinkgeld wird nicht auf den Mindestlohn angerechnet

  • Kein Bedienungszuschlag auf der Speisekarte (sonst steuerpflichtig)

  • Regel zur Verteilung der Trinkgeldkasse ist im Team abgestimmt und schriftlich festgehalten

  • Kassensystem erfasst Trinkgeld getrennt vom Umsatz

  • Kartentrinkgeld wird zeitnah und vollständig ausgezahlt, jede Auszahlung ist belegt

  • Bar ausgezahltes Kartentrinkgeld steht als Entnahme im Kassenbuch

Als Inhaber, der selbst Trinkgeld erhält

  • Trinkgeld wird als Betriebseinnahme erfasst, auch der eigene Anteil aus der Trinkgeldkasse

  • Richtiger Steuersatz: 7 % für Speisen, 19 % für Getränke

  • Z-Bericht und Kassenbuch sind vollständig und für die Kassennachschau griffbereit

Für Mitarbeiter

  • Freiwilliges Trinkgeld ist steuer- und beitragsfrei und gehört nicht in die Steuererklärung

  • Trinkgeld zählt nicht zur Minijob-Grenze

Hier kannst Du Dir die Checkliste direkt herunterladen.

Fazit: Trinkgeld versteuern ist kein Hexenwerk

Muss Trinkgeld versteuert werden? Für Deine Mitarbeiter nicht, solange es freiwillig vom Gast kommt. Steuerpflichtig wird es erst bei einem fest vereinbarten Bedienungszuschlag oder bei Summen, die mit Trinkgeld nichts mehr zu tun haben.

Für Dich als Inhaber gilt: Trinkgeld, das Du selbst erhältst, ist eine Betriebseinnahme und wird versteuert, auch Dein Anteil aus der Trinkgeldkasse. Wer Trinkgeld getrennt vom Umsatz erfasst und jede Auszahlung belegt, hat bei einer Prüfung nichts zu befürchten.

Du willst Trinkgeld in Deinem Betrieb von Anfang an sauber erfassen, bar wie per Karte und Auszahlungen direkt im Kassenbuch dokumentieren? Lass Dich unverbindlich von orderbird beraten und sieh selbst, wie einfach das im Alltag funktioniert.

orderbird leistet keine Steuerberatung. Wende Dich bitte an Deine Steuerberatung und besprecht gemeinsam, wie Du das Trinkgeld in Deinem Betrieb am besten abrechnest.

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